Impressionen…

Liebe Anwältin, lieber Anwalt,

busmann training® steht für hoch spezialisierte Anwaltsseminare seit 1990. In dieser Rubrik möchte ich Geschichte und Besonderheiten dieses Ein-Frau-Unternehmens in einem Interview selbst erläutern.

Busmann_Foto_WebFrau Busmann, wie kamen Sie auf die Idee, Anwälte zu trainieren?

Ich hatte, um mein Studium in den Fächern Romanistik und Germanistik zu finanzieren, neben dem BAFöG-Höchstsatz von 460 DM auch noch Gerichtsreportagen im Strafrecht geschrieben, zuerst für das Osnabrücker „Stadtblatt“, dann für die Neue Osnabrücker Zeitung. Letztere bot ein Zeilenhonorar von 60 Pfennig. Diese Neben-Tätigkeit brachte mich auf die Pressebank des Osnabrücker Amts- oder Landgerichts; manchmal saß ich dort bedeutend länger als im Hörsaal.
Ich war von der neuen Welt vollkommen fasziniert und bemerkte sehr bald, wie ungeschickt Anwälte ihre Zeugen vernehmen.
Sie stellten zum Beispiel „Warum“- Fragen, obwohl sie was rauskriegen wollten. Damals dachte ich – typisch für Germanisten im 3. Semester – jeder müsste doch wissen, dass Warum-Fragen immer einen Vorwurf beinhalten und dadurch den Befragten in eine Rechtfertigungsposition bringen.

Anwälte lernen Kommunikation nicht in ihren Ausbildungen. Ab wann hatten Sie die Idee?

Merkwürdigerweise erst im Jahr 1990. Ich dachte in meinen langen Gerichtsjahren seit 1978, ich verstünde die Strategie des vernehmenden Anwalts nicht. Auch als ich schon in Hamburg war (ab Juli 1983) und für die Hamburger Rundschau etc. schrieb, fragte ich mich noch: Welchen Vorteil kann der vernehmende Anwalt davon haben, diesen Zeugen jetzt vorwurfsvoll zu behandeln?
Es dauerte noch einige Zeit, bis ich erstmals ernsthaft GLAUBTE, dass Anwälte Vernehmungstechniken in ihren Ausbildungen nicht lernten. So etwas ist für Normalbürger ein Schock.Der Klempner lernt doch auch, eine Spüle zu reparieren.

Sie sind ausgebildete Französischlehrerin. Was hatte Sie dazu gebracht, die Staatsschule zu verlassen?

Ich war gern Lehrerin. Wie bei vielen anderen leidenschaftlichen (Ex-)Lehrern existierten meine beiden Hauptgründe nur außerhalb der Klassenräume: durch meine Fristverträge war ich dreimal in meinem Leben arbeitslos. Diese Zeiten waren für mich absolut würdelos: Jemand anderes bestimmt, wann und wie viel ich arbeite? Das kollidierte mit meinem hochrangigen Wert „Selbstbestimmung“.
Ich ließ allerdings nicht nur die Staatsschule, erneute Arbeitslosigkeit, geregelte Ferien, coole Arbeitszeiten für Alleinerziehende (die ich war), einige großartig experimentelle Kollegen, die heiß geliebte französische Sprache sowie ziemlich viele traurige Kinder hinter mir, sondern auch viele faule, fast immer verbeamtete Kollegen.
Fehlendes Engagement in Kombination mit einem Beamtensystem, das rituelle Krankschreibungen und fehlende Fortbildungen (damals nicht Pflicht!) Einzelner sogar noch begünstigt, kollidierte wiederum mit meiner Überzeugung, dass niemand eigene Defizite oder deren Folgen auf dem Rücken Schwächerer – hier: der Kinder – austragen darf.

Ihr Austritt aus der Schule war im historischen Jahr 1989….

Das stimmt. Genau zu dem Zeitpunkt (1989) fielen auch woanders Mauern. Ich freute mich über viele DDR Bürger in meiner Heimatstadt Hamburg; auch sie empfand ich als „Suchende“ mit tausenden von neuen Chancen und sicher ebenso vielen Befürchtungen. Ihre alten Autos waren für mich wie ein Spiegel meiner alten Gedanken: immer noch hilfreich, aber schon nicht mehr zur neuen Situation passend.
Ich wusste damals noch nicht, dass jeder für seine Umgebung, seine Fähigkeiten, seine Gedanken und alle Folgen seines Tuns und Unterlassens immer selbst und ganz allein verantwortlich ist. Völlig untypisch war für mich damals: Ich hatte die Schule für immer verlassen, ohne genau zu wissen, wohin ich wollte. Das ist seitdem in beruflicher Hinsicht nicht mehr passiert.

Welche Fortbildungen haben Sie gemacht?

Die wichtigste von allen – gemessen an meinem Startniveau – war wahrscheinlich Ende 1989 ein 14-tägiges „Bewerbungstraining für arbeitslose Akademiker“. Es wurde finanziert vom Arbeitsamt während meiner letzten Arbeitslosenzeit.
Ich lernte dort, Selbstbild von Fremdbild zu unterscheiden und durch Fragen zu führen, ich lernte meine Fähigkeiten und Defizite kennen und andere um feed-back zu bitten, ich lernte durch Video und durch sehr viel Üben, mich und meine Leistungen zu präsentieren. Ich war vor allem komplett fasziniert darüber, was alles lernbar war – und bin es bis heute.
Meinen ersten „freien“ Job erhielt ich übrigens, indem ich gegen alles dort Gelernte verstieß. Ich präsentierte mich noch während dieser Fortbildung ohne Unterlagen, Frisur und Konzept, dafür mit Jeans und wenig Zeit in einem Institut für Erwachsenenbildung. Ich ließ mich nicht abwimmeln und erhielt den Job sofort. 40 DM / Stunde (selbst versteuert) für das Bewerbungstraining zur Re-Integration von Langzeitarbeitslosen. Durch diesen Job zahlte ich meine Miete, als ich längst schon Anwaltsseminare konzipierte.

Heinze.fern
Die größten persönlichen Veränderungen erreichte ich während meiner dreijährigen Coaching-Ausbildung durch einen Berliner Managementtrainer. 1992 begann ich in Hamburg eine Trainer-Ausbildung, und nach der ersten Prüfung 1993 holten 12 Personen aus der Ursprungs-Lerngruppe Dr. Roderich Heinze nach Hamburg. Er wurde – abgesehen von meinem Abiturlehrer in Deutsch – mein wichtigster Lehrer. Wir lernten hauptsächlich, unser Gehirn zu benutzen; bis dahin hatten wir es nur besessen. Er blieb bis zu seinem Tod am 1. November 2004 mein Krisen-Interventions-Coach.

Was ist Ihnen heute persönlich wichtig?

Neben der Gesundheit, der Selbstbestimmung und dem Humor? Freunde und Familie sind für mich immer größer als das Geschäft.
Ansonsten: Kleine Erfolge groß feiern, große Erfolge auch! Jeden Menschen respektieren; hörbare (Meinungen, Wortwahl, Sprachen etc.) und sichtbare (Hautfarbe, Häuser, Alter etc) Unterschiede werden m.E. generell überschätzt, während diese drei Erkenntnisse mir immer helfen:

  • Ohne Ziele braucht keiner einen Weg!
  • Jeder hat Recht (in seiner Welt natürlich nurJ)!
  • Jeder verantwortet und beeinflusst automatisch –ungewollt oder gewollt – seine Umgebung!

Was sind Ihre drei wichtigsten beruflichen Prinzipien?

Diese drei haben sich nach und nach entwickelt; keins war von Anfang an da – oder mir bekannt!:

1. Alles ist lernbar, bis auf den Lern-Willen.
Zu mir kommen nur solche Anwälte, die eine bestimmte Sache optimieren möchten. Das setzt nicht nur Lernwillen voraus, sondern auch das Selbstbewusstsein, eigene Defizite zu kennen und „Fremden“ gegenüber zu benennen. Ich habe aus diesem Grund in 24 Jahren noch nie einen unangenehmen Kunden kennen gelernt.

2. Das klare „Nein“ macht das klare „Ja“ glaubhafter.
Mit ist persönlich sehr wichtig, „nein“ zu sagen, wenn ich etwas nicht kann oder wenn meine Anforderungen durch eine Kanzlei oder einen Auftraggeber nicht erfüllt werden.
Dabei enthält mein „Nein“ immer eine Lösung; genau so unterrichte ich es auch. Meine Glaubwürdigkeit ist vermutlich auch dadurch gestiegen, dass ich in meinen Kanzleien Fragen an Christoph Vaagt delegiert habe, wenn es z.B. um „betriebswirtschaftliche Kennzahlen“ geht. Ich sage außerdem immer „Nein“, wenn eine Kanzlei „ihren Damen mal wieder etwas Entertainment bieten“ (Originalzitat) will. Ich wende mich dann an einen versierten Telefontrainer, der das macht. Ich selbst begebe mich nur dann zu einem Telefontraining in eine Kanzlei, wenn die Partner sich ebenfalls trainieren. Alles andere ist ökonomisch sinnlos.

3. Vorbereitung ist alles.
Meine Kanzleischulungen setzen generell ein telefonisches briefing voraus; einige davon fließen in mein „massgeschneidertes Konzept“ mit ein. Ich informiere mich über Interessen, Leistungsgefälle, Spezialitäten, Umsatzsituation, Geheimziele („hidden agenda“), Gesamtziel, Persönlichkeiten, Führungsstrukturen, Akquiseziele, Akzeptanz von Fortbildungen allgemein etc.
Manchmal dauert meine Vorbereitung auf eine Intervention in einer Anwaltskanzlei fast so lange wie die Intervention selbst. Wenn ich z.B. die (vor-)gerichtliche Taktik in einem Bankrechtsfall mit entscheiden soll, müssen Anwalt und Mandant sich auf eine Art „Unterricht“ einlassen. Ein Laie (ich) muss nämlich in dem Fall u.U. aktienrechtliche Details verstehen, um eine Zeugenvernehmung taktisch zu beeinflussen.

Ich freue mich auf Ihre Fragen: