Legal Tech | Zehn Folgen für Kanzleimarketing und Anwaltsmarkt

Legal-Tech: Veränderungen im Anwaltsmarkt

Thema „Legal Tech“ beim 2. Akquisekongress für Anwälte in Hamburg vom 12. – 14. Januar 2017

Der „Wirtschaftsführer für Junge Juristen“ (Boorberg Verlag) brachte soeben ein Sonderheft zur schnellen Entwicklung von Legal Tech heraus.
Hier geht es direkt zum Heft.
(Danke an Frau Assmann vom Boorberg Verlag für die Genehmigung zur Veröffentlichung!)

Was ist „Legal Tech“?

Der Anwaltsmarkt und seine Kulturen werden sich durch Legal Tech noch in dieser Dekade entscheidend verändern. Diese Entwicklung wird vor keiner Kanzlei Halt machen und findet unabhängig davon statt, ob Anwälte ihr folgen wollen oder nicht.

„Legal Tech beschreibt den Einsatz von modernen, computergestützten, digitalen Technologien, um Rechtsfindung, -anwendung, -zugang und -verwaltung durch Innovationen zu automatisieren, zu vereinfachen und – so die Hoffnung – zu verbessern“.
Wer das für seine Kanzlei nutzen möchte, wird wach, präsent und fuchtlos sein müssen: Bequemlichkeit, Innovations-Furcht und Selbstgefälligkeit gehören bei marktbewussten Anwälten mehr denn je der Vergangenheit an.

Bedingter Zwang

Viele Anwälte sind innerlich schon einigermaßen gut gerüstet für diesen neuen Erdrutsch. Sie wissen spätestens seit der ersten relevanten Lockerung der Werbegesetze im März 1996, dass neue Markt-Möglichkeiten immer auch neue Zwänge bedeuten:
Seit Anwälte werben durften, mussten sie werben, um nicht unterzugehen. Sie unterlagen einem „bedingten Handlungszwang“ einfach dadurch, dass ihre Kollegen ebenfalls zu werben begannen.

Drei Lager

Dieser „bedingte Zwang“ spaltet die deutsche Anwaltschaft derzeit in drei Lager:

1. Verharmloser von „Legal Tech“:
„Das betrifft uns nicht“ schallt es aus der Ecke der Verharmloser. Diese haben oder erkennen keine standardisierbaren Teile in ihren Mandaten – oder wollen diese nicht sehen – und möchten auf keinen Fall Teile eines Mandats woanders hin delegieren: „Das machen unsere Mandanten gar nicht mit. Schließlich vertrauen sie allein uns, und das seit Jahren.“ Computer gelten hier keinesfalls als Konkurrenten, weil nicht Algorithmen, sondern „das persönliche Verhältnis zum Mandanten“ das Mandat regiert. Diese Gruppe hat Marktchancen, sobald sie vorurteilsfrei analysiert und selbst die Verantwortung übernimmt.

2. Nutznießer von „Legal Tech“:
Sofortige, neue und reale Marktchancen zeichnen sich für andere Anwälte ab. Diese Gruppe gehört zu den „jungen Wilden“, deren Alter selbstredend unerheblich ist. Diese Gruppe ist gewohnt, unternehmerisch zu denken, jegliche Marktentwicklung sofort zu analysieren, zu nutzen und auszuweiten sowie die eigene Marktposition zeitnah zu bestimmen. Kurze Wege von der Reaktion zur Aktion, sofortige Tests: Was wirkt? Was passt zu uns? Wie nutzen wir das? Wie positionieren wir uns neu? Diese Gruppe wird schnell zum erfolgreichen Mitspieler.

3. Opfer von „Legal Tech“:
Angst behindert Pragmatismus. Die dritte Gruppe ist generell innovationskritisch, hier besonders wegen „kühler Technisierung des Rechtshandwerks durch Nicht-Juristen“. Sie rettet ihre „Meinung“ durch den festen Glauben, dass Algorithmen und Nichtjuristen niemals rechtssichere Ergebnisse erwirtschaften oder auch nur erleichtern können. Im schlechteren Fall weigert sich diese Gruppe sogar bewusst, Marktentwicklungen als unumkehrbar anzusehen und gefällt sich in einer Opferpose. Ihr ökonomisch fataler Stillstand findet seine Rechtfertigung in der durchaus selbstgerechten Überzeugung: „Wir müssen nun wirklich nicht jeder Entwicklung hinterher laufen.“ Durch diese Überzeugung bleibt „Hinterherlaufen“ tatsächlich die einzige Möglichkeit.

Viele Marktchancen und zehn Neuerungen:

Stellen Sie sich innerlich – und vor allem äußerlich – auf diese zehn Entwicklungen ein:

  1. Neue Mandantenansprüche
  2. Neue Qualität
  3. Neues Tempo
  4. Neue IT-Services
  5. Neue Honorarpolitik
  6. Neuer Zugang zum Recht
  7. Neue Beratungskulturen
  8. Neue Akquisechancen
  9. Neue Juristenberufe
  10. Neue Kooperationen