Legal Tech verändert alles: Kanzleistrategie, Marktkenntnis und Kommunikation

Johanna Busmann im Interview mit Beck-online

Erfolgreiche Mandantenakquise basierte immer schon auf Kanzleistrategie, Marktkenntnis, auf einem gemeinsam beschlossenen und verfolgten Ziel sowie auf einer über jeden Zweifel erhabene Mandantenzentrierung in der Kommunikation.
Durch Legal Tech und die Dominanz von Online-Strategien verschärft sich die Notwendigkeit von Spezialisierung, Digitalisierung und Flexibilität.
Noch in dieser Dekade werden Marktpositionen, Strategien und Auftritte von Kanzleien jeder Größe nachhaltig verändert werden müssen.

Was sind die Folgen?

Elektronische Datenverwertung macht Kanzleien jeder Größe Konkurrenz. In Low-End Mandaten kommen Mandanten gar nicht mehr in die Kanzlei und wenden sich gleich an eins der etwa 30 Start-Ups, die derzeit den deutschen Rechtsmarkt spürbar beeinflussen.
In High-End-Mandanten gehen standardisierbare Teile dieser Mandate ebenfalls an spezialisierte Dienstleister, die in Blitzgeschwindigkeit komplexe Berechnungen – z.B. bei immobilienrechtlichen Due Diligences – durchführen.
Durch Legal Tech boomt derzeit der Markt der Festpreis-Rechtsberatungsangebote, die sofort über ein Portal (Anwalt.de, 123Recht.com etc.) bezahlt werden. Dadurch wiederum sind Außendarstellung, Honorarinformation und Teile des Cross Selling empfindlich verändert.

Besondere Hindernisse

Legal Tech trifft in Deutschland auf Anwälte, die unternehmerisches Denken nicht gelernt haben, obwohl sie faktisch Unternehmer sind.
Das führt derzeit zu drei Basisreaktionen:

– Verdrängung („Uns betrifft das derzeit …noch…nicht“),
– Nutzung „(Wir nutzen offensiv die Vorteile für unsere Mandanten“) und
– Opferstatus („Wir laufen nun wirklich nicht jeder Neuerung hinterher“).